Chronik

Die Chronik

Die Chronik

zum Kirchweih-Jubiläum unserer Pfarrgemeinde in 2010:

„75 Jahre St. Elisabeth“
Auf 96 Seiten mit fast 150 überwiegend farbigen Fotos gelang dem Autor Bert Bertling mit der Darstellung der Vorgeschichte von 1906 an und der Darstellung der dann folgenden 75 Jahre eine sehr lebendige und lesenswerte Aufarbeitung - zur Freude von bereits mehreren hundert Erwerbern der ansprechenden Broschüre.

Sie können die Chronik im Pfarrbüro nach wie vor erhalten gegen eine Gebühr von 5 €.

Wer sie sich zuschicken lassen möchte, rufe im Pfarrbüro an: 02941/ 978 686.
Für Verpackung und Porto werden dann noch 2 € zusätzlichfällig. (Konto 3310927 bei der Stadtsparkasse Lippstadt, BLZ 41650001) Nach Eingang der  dann 7 € wird die Chronik zugeschickt!

 

Leseprobe: Auszug aus der Chronik lesen.

Leseprobe: Auszug aus der Chronik lesen.

Auszüge aus der Chronik zum Jubiläum

75 Jahre St. Elisabeth - Vier Pastöre prägten die Entwicklung
von Bert Bertling

Das Kirchweih-Jubiläum in 2010 erinnert an eine viel längere Zeit des Entstehens der Elisabeth-Gemeinde. Um das Jahr 1910 gehörten zur Nikolai-Gemeinde mehr als 10.000 Mitglieder. Grund genug, sich Gedanken zu machen über eine dritte katholische Kirche in Lippstadt neben St. Nikolai und St. Josef, da „die Nikolai-Kirche in manchen hl. Messen eine geradezu beängstigende Fülle“ zeige (Nikolai-Chronik) und der Norden der Stadt durch die damals neuen Siedlungen von der Pfarrkirche St. Nikolai weit entfernt liege.

Man gründete einen Kirchbauverein in 1910, musste aber wegen der Zeitumstände wie 1. Weltkrieg, Ende des Kaiserreiches, Inflation 1923 und der folgenden schwierigen Jahre sich bis 1929 gedulden, um das Thema erneut in der Nikolai-Gemeinde auf die Tagesordnung bringen zu können.

Am 1. Juni 1929 beschloss eine Gemeindeversammlung, das Vorhaben nun endlich in Gang zu setzen. Der „Patriot“ schreibt in seiner damaligen Ausgabe: „Dem Vorschlag, die neue Kirche der hl. Elisabeth zu weihen, wurde von der Versammlung freudig zugestimmt.“

Als Standort dachte man ursprünglich an ein Gelände am Marblicksweg, doch im Januar 1933 entschied man sich wegen der ausgebauten Friedrichstraße für diesen Standort - auch im Blick auf die Nähe zur vorhandenen katholischen Friedrichschule. Treibende Kraft im Verein war Vikar Schelle, der spätere Pastor von St. Elisabeth.

Ursprünglich wurde ein Neubau in neugotischem Stil diskutiert. Die Firma Pehle hatte St. Josef im Süden der Stadt im neuromanischen Stil erbaut. Hier nun sollte sozusagen als Gegenstück ein neugotischer Bau durch die Firma Pehle entstehen, hatte sie doch schon früh (1906) das Grundstück zur Verfügung gestellt und erwartete nun auch den Bauauftrag für St. Elisabeth.

Hier setzte sich aber vor allem Otto Schelle, damals noch Vikar und mit der Gründung der Gemeinde und dem Kirchenbau beauftragt, zusammen mit dem Architekten Bernhard Lippsmeier durch.

Mit dem Glockenturm und auch der schlichten  Linienführung des Baues außen wie im Innern des Kirchenraumes fand man „Anklänge an die alten Basiliken“ mit deren einfachen Formensprache“ - so der kunstbeflissene angehende Pastor zusammen mit seinem Architekten.

Am 31. August 1934 schon feierte man das Richtfest. Am 27. Februar 1935 weihte Dechant Vogt aus Geseke „in vorläufiger Weise“ (Pfarrchronik) nach acht Monaten Bauzeit die Kirche.

Am 1. Dezember 1939 wird die Gemeinde zur Pfarrei erhoben und am 1. Januar 1940 wird Vikar Otto Schelle erster Pfarrer in St. Elisabeth Lippstadt. Er starb am 4.7.1947.

BEWEGTE ZEITEN

Der Zweite Weltkrieg ging auch an der Elisabeth-Gemeinde nicht spurlos vorüber. Im Jahre 1943 mussten wie überall auch in St. Elisabeth die Glocken, die nicht einmal 10 Jahre geläutet hatten, zur Einschmelzung für Waffen abgeliefert werden. Der Religionsunterricht in den Schulen wurde eingestellt. Die näher kommenden Kriegshandlungen schränkten das kirchliche Leben immer mehr ein. Die unmittelbare Nachkriegszeit 1945 bis 47 war gekennzeichnet von Flüchtlingsnot, Wohnungsnot und Hunger.

Die ersten 10 Jahre der Gemeinde St. Elisabeth waren keine glücklichen, geprägt vom Nationalsozialismus, vom Antisemitismus und vom Krieg. Und so stand im Jahre 1945 über der Aufgabe des Wiederaufbaus unseres Landes hinaus die Aufgabe der Bewältigung der inneren Zerstörung der Menschen. Für die Jüngeren aber ist es kaum noch vorstellbar, dass hier in Lippstadt, in unserer Gemeinde, Menschen hungerten, dass ihre ganze Sorge der Beschaffung des Notwendigsten galt, „denn Hunger tut sehr weh!“, wie einer der Alten dem Autor dieser Darstellung berichtete.

Die Ältesten unter uns können sich doch noch sehr gut daran erinnern. Die Menschen aber fassten dennoch neuen Mut und schöpften ihre Hoffnung nicht zuletzt aus dem christlichen Glauben heraus, zu dem Pastor Otto Schelle die Menschen immer wieder ermutigte.

Pfarrer Johannes Neuwöhner, kam schon 1934 als Vikar nach Lippstadt zu St. Nikolai nach seiner ersten Stelle in Neheim. Nach dem Tod von Pfarrer Schelle ernannte ihn Paderborn am 5.10.1947 zum Pfarrer von St. Elisabeth. Es war die Zeit des Wiederaufbaues nach dem schrecklichen Krieg. Viele Menschen, die ihre Heimat im Osten verlassen mussten, kamen auch nach Lippstadt. Allein von 1947 bis 1949 wuchs die Elisabeth-Gemeinde von 2900 Mitgliedern auf über 8000!

Das überforderte die noch junge Gemeinde - Pfarrer Neuwöhner sah seine Aufgabe gleich darin, der Expansion Herr zu werden. Heute zeugen die schon 1949  eschlossenen, 1952 fertig gestellte Antoniuskirche und die 1955 fertig gestellte Kirche „Maria Frieden“ in Lipperbruch von dem Elan, mit der der Pfarrer seine Aufgabe anging. Dabei baute er 1952 auch noch den ersten Kindergarten, der bis dahin notdürftig im Keller der Friedrichschule untergebracht war. Zum Ende seiner Zeit in St. Elisabeth ersetzte er diesen Kindergarten 1973/74 auch noch durch einen Neubau - den heutigen!

WANDEL IN DEN 1960/70-er JAHREN

In den Jahren 1960 bis 1964 entstand unter der Regie Neuwöhners auf dem Kirchengelände an der Elisabethstraße auch das so genannte Jugend- und Pfarrheim - heute auch Elisabeth-Heim genannt. Doch 25 Jahre nach Kriegsende wandelte sich die Gesellschaft - auch in unserer Gemeinde. Die Bürger profitieren vom rasch wachsenden Wohlstand. Arbeitslosigkeit ist fast ein Fremdwort. Ein neuer Glaube breitet sich unter den Menschen aus, der Glaube an den Fortschritt daran, dass mit Hilfe der Wissenschaft und der Technik für den Menschen nahezu alles machbar geworden ist, selbst der Flug zum Mond (1968).

1972 schreibt Pastor und Ehrendechant Neuwöhner in seine Pfarrchronik: „Sehr schmerzlich mussten wir feststellen, dass der Gottesdienstbesuch zurück gegangen ist - etwa 10 Prozent!“ Ein „wenig resigniert“, wie er dem Autor dieser Schrift persönlich sagte, ging er in Pension: In einem feierlichen Gottesdienst am 10. März 1974 wurde ihm für alle Sorgen und Mühen in der Gemeinde die Verbundenheit und Dankbarkeit bekundet. Sein Nachfolger wird.

Heinz Günter Dimmerling, 1931 in Letmathe geboren, wurde 1958 zum Priester geweiht. Er begann seine seelsorgerische Tätigkeit in Castrop-Rauxel, dann diente er in Herne und Dortmund, ehe er 1965 Pfarrvikar in Dreis-Tiefenbach (Kreis Siegen) wurde. Er bewarb sich 1974 um die Stelle des Pastors in St. Elisabeth, um hier - wie schon im Siegerland - ein so genanntes Pastoralteam auf den Weg zu bringen, das die Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden sowohl in organisatorischer wie auch seelsorglicher Weise ermöglichen sollte. Er nahm also im Jahr 1974 schon das vorweg, was heute in unserer Kirche zwingend notwendig wird.

H.G. Dimmerling hatte präzise Vorstellungen davon, wie eine katholische Gemeinde im Jahrzehnt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auszusehen hatte - organisatorisch, baulich wie seelsorglich. Schon zu Beginn seiner Tätigkeit in St. Elisabeth galt es, den Kirchenraum, vor allem den Altarraum auf die nachkonziliaren Erfordernisse umzurüsten.

Die Innenraumgestaltung, verständlicherweise am meisten diskutiert, sah den Wegfall der Kommunionbank vor, außerdem sollte der Altartisch sehr viel weiter in den Innenraum zum Volke gezogen werden, so dass man den Eingang zur Sakristei zum Seitengang an der Stelle des damals dortigen Marienaltars verlegte und diesen auf die linke Seite. Altartisch mit der Bestuhlung und einem hängenden Kreuz über dem Altar sollte wieder an die „klaren Formen der antiken Basiliken“, hier der ursprünglichen Gestaltung von 1934 erinnern.

Am 12. Oktober 1975 zur Neuweihe des Kirchenraumes schreibt der „Patriot“: „Auffallendstes Merkmal des neuen Kirchenraumes wird nach dem Abschluss der Arbeiten die klare Formensprache der fast funktionellen Architektur des Baues sein, deren expliziter Verzicht auf mystifizierende Dekoration“

H.G. Dimmerling kam in die Gemeinde, als im Bewusstsein der Gläubigen immer mehr die Auswirkungen des Konzils diskutiert wurden. Sein Ehrgeiz war es, die Beschlüsse des Konzils der 1960-er Jahre in der Gemeinde umzusetzen, obwohl die offizielle Kirche längst schon die Fortschrittlichkeit der Beschlüsse ausbremste. Sein Konzept, Gemeinde zu verwirklichen bestand vor allem darin, kleine Einheiten zusammenzuführen: Teams, Gesprächskreise, Glaubensgesprächsrunden, Freizeiten für Familien, für Jugendliche, für Senioren. Unermüdlich suchte er, solche Gelegenheiten herbei zu führen, damit diese sich untereinander und, wenn möglich mit ihm, persönlich über den Glauben und den Weg der Kirche auseinandersetzten.

Äußerlich bleibt mit seinem Namen die große Renovierung von 1975 in Erinnerung, bei der ein Rückbau zu den strengen Formen des Anfangs angestrebt und die  Gestaltungsforderungen des Konzils erreicht wurden (Ambo statt Predigtstuhl, keine Kommunionbank, Altartisch zum Volke).

Im Abschiedsgottesdienst für Pastor Dimmerling am 30.5.1999 sagte die Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Elisabeth Stuckenschneider: „Mit dem fortschrittlichen Dimmerling kehrte vor einem Vierteljahrhundert frischer Wind in die Gemeinde des Lippstädter Nordens. ...“

„Der Wind“ hatte mitunter zu lebhaften Debatten in der Gemeinde geführt. „Was keine Ecken und Kanten hat, das hat auch kein Format“, meinte Dimmerling in seiner Antwort im selben Gottesdienst.

NEUES JAHRTAUSEND MIT NEUEM PASTOR

„In diesen (vergangenen) 25 Jahren sind auch allgemein große Veränderungen vor sich gegangen: alte Moralvorstellungen haben sich gewandelt und wandeln sich noch immer“, diese Prozesse seien für jede Kirchengemeinde eine echte Herausforderung. Mit solchen Worten stellte der neue Pastor, Gerhard Blome, seine Situation bei Antritt seines Amtes in St. Elisabeth Lippstadt am 13. Juni 1999 vor. Gleichwohl wollte er dem etwas entgegensetzen: „Das Gebet ist unsere wichtigste Aufgabe, denn dabei sehen wir das uns Verbindende, während wir etwa beim Diskutieren nur das uns Trennende sehen.“ Also eine deutliche Akzentverschiebung in der Gemeindeführung!

Pastor Gerhard Blome, 1947 in Wünnenberg geboren, 1972 in Paderborn zum Priester geweiht, trat ein nicht leichtes Amt an, zeigen doch schon die Vorbemerkungen, dass ihm eine etwas andere Gemeindeführung vorschwebte.

Geprägt durch die eher ländliche Pfarrgemeinde seines Heimatortes wie auch seiner ersten Vikarstelle in Hövelhof (1972-1979), vor allem aber durch die Jahre 10 Jahre als Priester in Argentinien (1979-1989) hielt er die Hinwendung zu Gebet und Glaubensfestigung in der Organisationsstruktur seiner neuen Gemeinde für vorrangig. Erwähnt seien dabei auch noch die 10 Jahre in Werl (1989-199) mit der Nachbarschaft und Betreuung der Werler Justizvollzugsanstalt.

Konkretisierungen seiner Vorstellungen jedoch erwiesen sich schon deswegen als schwierig, weil eine massive Veränderung in der katholischen Kirchenlandschaft seine Jahre hier in St. Elisabeth gleich zu Anfang bestimmten: Der Priestermangel hatte zur Folge, dass gleich zu Beginn des ersten Jahrzehnts über Kürzungen in der Seelsorge und Wegfall von Gottesdiensten nachzudenken war, weil die Priesterzahlen schrumpften.

Also, die erste „Baustelle“ zeigt sich für den neuen Pastor in dem Bemühen, die Personalsituation mithilfe von Paderborn „in den Griff zu kriegen“. Nach langer Diskussion in 2002 unterzeichnet der zuständige Weihbischof Hans-Josef Becker das Errichtungsdekret für den „Pastoralverbund Lippstadt-Nord“: Zum 1. Juni 2003 werden die Gemeinden St. Elisabeth, St. Antonius, Maria Frieden, St. Michael Lipperode und Maria Himmelfahrt Cappel zu einer pastoralen Einheit zusammen gefügt.

In den kleineren Gemeinden findet seitdem nur noch ein Gottesdienst am Wochenende statt, nur im Zentrum, in St.Elisabeth je einer am Vorabend und einer am Sonntag. Seit dem 14. Juni 2009 aber ist auch Franz-Hermann Korte im wohlverdienten Ruhestand und kann nur noch sporadisch aushelfen. Für ihn kam am 1. August 2009 Pastor Georg Kaniyamthara, genannt „Pastor Georg“.

Auch als Renovierer betätigt sich der neue Pfarrer. 2007 wurde die Kirche umfassend saniert (Heizung, Fußboden, Beleuchtung, Anstrich, Umsetzung des Taufbeckens). Und unter der Orgelempore wurde eine Glaswand errichtet - wie in anderen Pfarrkirchen eine Auflage des Bistums und Tribut an Kirchenräuber und Vandalen. Indes: „Geschlossen werden die Türen außerhalb der Gottesdienste nicht. St. Elisabeth steht auch weiterhin allen Besuchern offen,“ so Pastor Gerhard Blome.

 

Ehejubilare

Ehejubilare 2015

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